Serie (1): Interviews mit den "Bayerischen Olympioniken"

An dieser Stelle veröffentlichen wir in den nächsten Tagen aktuelle Interviews mit unseren bayerischen Seglerinnen und Seglern, die sich für die mittlerweile abgesagten Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio qualifiziert haben oder es noch schaffen wollen. Den Anfang macht Philipp Buhl, Weltmeister 2020 in der olympischen Laser-Klasse.

Urlaub statt "Training ins Nichts" - Laser-Weltmeister Philipp Buhl begrüßt die Verschiebung der Olympischen Sommerspiele in Tokio

Philipp Buhl
Philipp Buhl zuhause im Allgäu: Zeit für Organisatorisches, Flüge stornieren, Saison umplanen, Sponsoren...

Philipp, wo bist du gerade?

Philipp: Ich bin zuhause im Allgäu. Das Training auf Mallorca haben wir abgebrochen, es hat keinen Sinn gemacht, dortzubleiben, weil wir nicht mehr hätten trainieren dürfen. Ich hab den Flieger genommen und bin nach Hause.

Und jetzt? Straffes Heimprogramm im Garten?

Philipp: Nein, ich mache Urlaub daheim! Ich hatte nach der WM viele Termine, Empfänge und war auch körperlich ermüdet. Als das Training auf Mallorca immer mehr ein Training "ins Nichts" wurde, ist bei mir auch die Motivation gesunken. Über die Absage der Spiele in diesem Sommer bin ich jetzt froh!

So wie die meisten Athletinnen und Athleten...

Philipp: Unabhängig davon, wer wie gut in Form oder bereits qualifiziert ist: Olympische Spiele sind doch mehr als nur die Wettkämpfe! Sie sollten ein Fest für Teilnehmer und Zuschauer sein mit Begegnungen, vielen Eindrücken und Kontakten - wie soll das in ein paar Monaten gehen? Dazu kommt, dass die Vorbereitung der AthletInnen total ungleich ist. Die Spanier und Italiener dürfen nicht raus, die Chinesen waren schon bei der WM nicht zugelassen und Dopingkontrollen finden derzeit sicher auch nirgends so umfangreich statt wie normal.

Und die Bestform, die du bei der WM ja offenbar hattest?

Philipp: Naja, angereist bin ich nach Australien nicht in der allerbesten Form meines Lebens und abgereist auch nicht mit dem Gefühl, dass ich jetzt der Beste bin. Vieles, auch die Bedingungen mit dem Wind haben für mich gepasst, aber das ist jedes Mal anders. Ich weiß, dass ich mental dazugelernt habe und das ist für Großereignisse enorm wichtig. Jetzt geht es erst einmal darum, Energie zu tanken und dann rechtzeitig die Motivation wieder hochzufahren.

Gibt es schon einen neuen Zeitplan für dich?

Philipp: Im Moment mache ich Urlaub, genieße die Zeit. Dann werde ich in Ruhe an meiner Fitness arbeiten, bis es wieder Trainings auf dem Wasser und Regatten gibt. Wenn ich im Herbst wieder voll im Laser angreifen kann, reicht das. Relevant vor den Spielen sehe ich die Zeit von 120-150 Tagen davor, da bringt man sich in Form.

Bleibt deine Qualifikation für Olympia bestehen, wenn jetzt um ein Jahr verschoben wird?

Philipp: Wenn die Verschiebung nicht länger dauert als 14 Monate, bleiben alle Qualifikationen bestehen. Aber der neue Olympia-Termin ist ja maximal zwölf Monate später und damit bleibt mein Olympia-Ticket bestehen, wobei die offizielle Nominierung noch aussteht.

Du bist jetzt auch Mitglied im NRV-Olympic Team des Norddeutschen Regattavereins in Hamburg. Wie kommt es dazu?

Philipp: Ja richtig. Ich bin nach wie vor stolz darauf, Bayer zu sein und bleibe meinem Heimatverein SCAI treu. Ich habe aber in meiner Rolle als Aktivensprecher des DSV über sechs Jahre festgestellt, wie vorbildlich der NRV in Sachen Sportlerförderung agiert. Und die Idee des Olympic-Teams will ich unterstützen und vertreten, wie auch z.B. Mathew Belcher. Auf eine Grundförderung des NRV verzichte ich allerdings aktuell. Darum stehen bei Regatten hinter meinem Namen die Kürzel SCAI/NRV.

Interview: Axel Müller