Vorstand zieht Halbzeitbilanz - Reeh: "Ich denke, wir sind auf einem sehr guten Weg"

Zur Halbzeit der Segelsaison berichtet der Vorstand des Bayerischen Seglerverbands über den Stand der Neuausrichtung - Karl-Christian Bay, Vorsitzender des Lindauer Segler-Clubs, sprach mit den Vorständen Dietmar Reeh, Siegfried Merk und Timo Haß.

 

vorstand bsv

Nach der Neuwahl des Vorstands des Bayerischen Seglerverbands vor 18 Monaten versprachen Sie eine Neuausrichtung in Richtung eines Service-Verbands mit den Schwerpunkten Breitensport, Gemeinnützigkeit, Jugend und Umwelt-/Naturschutz. Was ist daraus geworden?

Reeh: Wer zum Service-Verband werden will, muss erst einmal die Sorgen und Nöte der Mitglieder kennen. Deshalb war unser erster Schritt, Gesprächsrunden mit den Vereinen durchzuführen und ihren Input zu einem Konzept zu verarbeiten. Das waren rund 20 Einzelveranstaltungen, in denen wir über 100 Vereinsvorstände und Reviervertreter erreicht haben. Zudem haben wir die im Regattasport aktiven Clubs gebündelt und eine Gesprächsrunde gebildet, die sich nun regelmäßig trifft. Diese Vorarbeiten dauerten knapp ein Jahr, und das aus diesen Gesprächen entstandene Konzept haben wir auf der Mitgliederversammlung im Februar vorgestellt.

Nun ist die Saison 2019 ja schon zur Hälfte vergangen, wie sieht es denn mit der Umsetzung aus?

Merk: Da gibt es in der Tat einiges zu berichten und ich denke, wir sind hier auf einem sehr guten Weg. Wo sollen wir denn anfangen?

Fangen wir doch mit den Schwerpunkten an... also zunächst einmal mit Breitensport und Gemeinnützigkeit, denn die gehören ja wohl zusammen?

Reeh: Genau. Das deutsche Steuerrecht stuft Sport generell als gemeinnützig ein. Davon ausgenommen ist natürlich der bezahlte Profisport. Tatsächlich ist der Gedanke des gemeinnützigen Amateursports in unseren Mitgliedervereinen höchst lebendig. Bayernweit machen hunderte ehrenamtlicher Helfer die vielen Angebote für Segelausbildung und Regatten erst möglich. Dabei will der Landesverband sie unterstützen. Das tut er, indem er die Ausbildung für Wettfahrtleiter, Schiedsrichter und Trainer organisiert. Indem er ihnen Hilfestellungen gibt, ihren Verein besser zu organisieren und zu verwalten. Und nicht zuletzt, indem er mit Politik, Behörden und Organisationen im Gespräch bleibt. Außerdem muss ein Seglerverband natürlich auch seine Grundaufgaben erledigen, also Mitglieder und Lizenzen verwalten und ist als regionaler Dachverband verantwortlich für die öffentliche Sportförderung.

Das hat der Bayerische Seglerverband ja schon immer getan. Was ist denn jetzt besser?

Merk: Wir haben einige chronische Rückstände abgebaut und die Geschäftsstelle entlastet, so dass sie jetzt mehr Zeit für die Anliegen der Vereine hat. Zudem sind wir dabei, die Transparenz unserer Prozesse zu erhöhen: Einerseits wollen wir regelmäßig über den Stand unserer Arbeit berichten, andererseits wollen wir, dass unsere Mitglieder besser darüber informiert sind, was wir ihnen bieten. Unser Motto „näher ran an die Vereine“ heißt nicht nur, fragen wo denn der Schuh drückt. Sondern auch zu helfen, Lösungen für identifizierte Probleme zu finden und diese dann allen zur Verfügung zu stellen. Dazu wollen wir in diesem Jahr noch mit einem Newsletter starten, den die Mitgliedsvereine erhalten und der unsere Angebote und Tätigkeiten transparenter macht. Für die öffentliche Sportförderung streben wir eine Bottom-Up-Planung an - also eine von der Bedarfsseite ausgehende Planung, die zunächst den von Sportlern und Trainern gesehenen Bedarf erhebt, bewertet und priorisiert. Dabei werden wir auch die Stützpunkte und die damit verbundene Ausbildung integrieren.

Sie hatten angekündigt, dass der Bayerische Seglerverband künftig über Beiräte mehr Kompetenz aufbauen will. Aber noch immer sind viele Positionen unbesetzt...

Merk: Bei den Regionalvertretern sind wir bereits komplett. Bei den Fachbeiräten haben wir erst zwei Drittel der Positionen besetzt. Aber dies sind eben fachlich anspruchsvolle Ehrenämter, die nicht jeder machen kann und für die es schwer ist, die richtige Besetzung zu finden. Wir suchen mit Geduld weiter.

Dann lassen Sie und zu den beiden nächsten beiden Schwerpunkten kommen: Jugend und Naturschutz. Gehören die auch zusammen?

Reeh: Nur indirekt. Indem nämlich der Wassersport auf den bayerischen Seen nur Zukunft hat, wenn wir ihn mit möglichst geringer Belastung für Umwelt und Natur durchführen. Jeder Segler ist naturbegeistert. Das hilft der Glaubwürdigkeit unseres Engagements für den Umwelt- und Naturschutz. Dennoch sind schon unsere Ufernutzung, Steganlagen und Boote vielen Naturschützern ein Dorn im Auge. Wir halten deshalb regelmäßig Kontakt zu Umwelt- und Naturschutzorganisationen und unterstützen ihre Tätigkeit.

Dazu hat der Bayerische Seglerverband ja sein Wassersportgespräch...

Reeh: Genau! Im nächsten Jahr wollen wir das schon seit langem bestehende Wassersportgespräch des Bayerischen Seglerverbands zu einem erweiterten Wassersportforum machen. Ziel dieses Wassersportforums ist es, die aktuelle Situation an den bayerischen Seen aufzuzeigen, Probleme zu identifizieren und Lösungen zu erarbeiten. Wir hoffen, dass wir dadurch zweierlei erreichen: Einerseits bleiben wir weiterhin mit allen relevanten Institutionen und Vereinigungen rund um die bayerischen Seen einvernehmlich im Gespräch. Wie wichtig das ist, zeigt zum Beispiel die pragmatische Lösung die wir für die Führerscheine jugendlicher Trainer gefunden haben. Andererseits möchten wir aktuelle Themen, die unseren Segelsport betreffen, in die breite Öffentlichkeit tragen können.

Jetzt haben Sie aber noch nichts zur Jugend gesagt...

Haß: Weil das länger wird. Der Bayerische Seglerverband hat ja vom sportlichen Zielgedanken her seine Hauptaufgabe in der Sportförderung der segelnden Jugend. Wir sichten und fördern die Landeskader und führen die Besten von Ihnen dann den Bundeskadern des Deutschen Seglerverbands zu. Seit April haben wir einen festen Landestrainer, dazu kommen vier bis fünf Honorartrainer. Insgesamt werden wir in diesem Jahr rund 350 Trainingstage anbieten, eine Steigerung von über 50% im Vergleich zum letzten Jahr. Mit dem neuen Stützpunktkonzept werden wir künftig unsere Trainingsangebote in die Regionen tragen, so dass die Wege der jungen Seglerinnen und Segler zu ihren Trainings kürzer werden.

Erklären Sie doch einmal das Stützpunktkonzept und was Sie hier bisher gemacht haben.

Haß: Wir haben mit dem Ammersee als Pilotregion angefangen und werden noch in diesem Jahr in Franken ein zweites Pilotprojekt starten. Am Ammersee sind es derzeit drei Stützpunkte: Die Optimisten sind im Segelclub Inning am Ammersee (SCIA) angesiedelt, die Laser im Seglerverein Wörthsee (SVW) und die 29er im Diessner Segel-Club (DSC). Das ermöglicht uns den Aufbau klassenspezifischen Know-Hows und schont die Ressourcen der Sportlerinnen und Sportler und ihrer Familien sowie auch die der Trainer. Im nächsten Jahr wollen wir dann auch andere Regionen mit neuen Stützpunkten erschließen.

Welche weiteren Ziele hat das Stützpunktkonzept?

Haß: Wie schon gesagt, im Vordergrund stehen kurze Wege und der Aufbau klassenspezifischer Ressourcen und Know-how. Ein weiterer Aspekt ist, dass wir mit den Stützpunkten dafür sorgen wollen, dass junge Leistungsseglerinnen und -segler aus kleineren Vereinen auch weiterhin für diese segeln können. Bisher waren sie mehr oder weniger gezwungen, zu einem der großen Vereine zu wechseln, weil sie dort eine deutlich bessere Betreuung bekamen. Künftig sollen alle Seglerinnen und Segler einer Klasse an ihren regionalen Stützpunkten gleichwertige Bedingungen vorfinden. Das Interesse der Vereine, aktiv das Stützpunktkonzept zu begleiten und umzusetzen, ist groß. Wir sind überzeugt, dass wir die Pilotphase rasch verlassen werden. Unser Landestrainer bereitet gerade die sportfachlichen Themen weiter vor. Ein Update zum Status Quo und über die nächsten Schritte wird Anfang August stattfinden.

Glauben Sie denn, dass damit das Abwerben vorbei ist?

Reeh: Dass es weiterhin einen Wettbewerb der Clubs um gute Seglerinnen und Segler gibt, können wir nicht verhindern. Das wollen wir auch gar nicht, denn eine gesunde Konkurrenz führt auch unter Segelvereinen dazu, dass sie sich mehr anstrengen und innovativer sind. Von der Existenz einer Spitzengruppe ehrgeiziger Vereine profitiert am Ende doch der gesamte Sport. Denken Sie nur an die finanzielle Seite. Wir als Landesverband verwenden rund zwei Drittel unseres Budgets als Direktinvestition in den Nachwuchskadersport - wenn man die indirekten Kosten auch entsprechend aufsplittet, ist es sogar noch mehr. Damit steuern wir aber weniger als ein Zehntel dessen bei, was die großen Clubs beisteuern!

Geld ist ja nicht alles...

Haß: ...nein, aber das Geld kommt ja nur zusammen, weil es in den Regatta-Clubs eben auch viel Herzblut und Engagement für unseren Sport gibt. Wenn Sie sich die bayerische Beteiligung am deutschen Segelsport anschauen, dann haben wir im vergangenen Jahr und auch in der laufenden Saison geradezu triumphiert - das ist das Ergebnis langjähriger Aufbau- und Entwicklungsarbeit und die wiederum ist vor allem das Verdienst der aktiv den Jugend-Segelsport fördernden Vereine in Bayern.

Was werden die nächsten Schritte sein?

Reeh: Wie Sie sehen sind die Sachfragen weitgehend geklärt. Die nächste Aufgabe liegt in der Kommunikation. Wir würden gerne mehr informieren und den Vereinen auch mehr Service über unsere Website anbieten. Da stehen wir derzeit noch ganz am Anfang, aber wir hoffen bis zum Ende des Jahres erste Lösungen implementiert zu haben.

Welche Ziele verfolgen Sie mit einem solchen Kommunikationsbudget?

Reeh: Da ist einerseits das kommunikative Voranbringen der Themen die wir oben bereits erwähnt haben: Wassersportgespräch, Erfolge des Landeskaders. Wir möchten, dass unser Engagement breit wahrgenommen wird. Das kommt am Ende dem gesamten Segelsport in Bayern zugute. Dann unsere geplante Informationsarbeit gegenüber den Mitgliedsvereinen. Das benötigt zum Beispiel eine professionell gemachte und laufend aktualisierte Website. Dazu gehört auch der schon erwähnte regelmäßige Newsletter, der sorgfältig zusammengestellt und geschrieben werden will, wenn er seinen Zweck erfüllen soll.

Wo will der Bayerische Seglerverband im nächsten Jahr stehen?

Haß: Weiter ganz oben in den Ergebnislisten, mit vielen Aktiven im Nachwuchsbereich und stabilen Mitgliederzahlen.
Merk: Wir werden ein leistungsfähiger Seglerverband sein, der Mehrwert für seine Mitgliedsvereine schafft. 
Reeh: Wir wollen Strukturen schaffen, die alle regelmäßig zusammenbringen. Denn Lösungen entstehen nur, wenn wir miteinander reden.

Vielen Dank für das Gespräch.