29. Seengespräch Starnberger See

Der Termin im Landratsamt Starnberg war gut besucht. Als Teilnehmer kamen Vertreter der Gemeinden am See, der Vereine, Segel-, Surf- und Wasserskischulen, Polizei, Fischer, der Seenschifffahrt und Schlösser- und Seenverwaltung sowie aus dem Naturschutz.

Landrat Roth begrüßte alle Teilnehmer/innen und erläuterte, dass das Gespräch aufgrund interner Umstrukturierungen entgegen des bisherigen Rhythmus von zwei Jahren heuer zum ersten Mal seit 2015 wieder stattfindet. Roth begrüßte besonders Norbert Geißler, Reviervertreter des Bayerischen Seglerverbandes, dessen 45-jährige Tätigkeit er hervorhob.

Herr Dr. Gschwind vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege erläuterte in einem kurzen Vortrag die besondere archäologische Bedeutung der Roseninsel und wies auf die Problematik der touristischen Nutzung hin, die von Schwimmern, Kajakfahrern und SUP-Fahrern ausgeht. Die Markierung des Bereichs mit Hinweisbojen und -pfählen hat die gewünschte Wirkung.

Schutz der Wasservögel

Andrea Gehrold, Gebietsbetreuerin vom Landesbund für Vogelschutz (LBV) erläuterte, dass der Starnberger See der Natura 2000-Richtlinie unterliegt und Ramsar-Gebiet ist; der See sei ein wichtiges Rast- und Überwinterungsgebiet für Zugvögel. Statistisch treten im Zeitraum Oktober bis März Maximalwerte mit bis zu 25.000 Tieren auf; in diesem Zeitraum sind Ruhezonen für die Vögel von besonderer Bedeutung. Deswegen sind vom 1. November bis 31. März spezielle Ruhezonen ausgewiesen. In diesem Zusammenhang hob sie den organisierten Segelsport mit dem vollständigen Verzicht auf die Nutzung im o.g. Zeitraum positiv hervor.
 
Norbert Geißler wies in diesem Zusammenhang darauf hin, dass es eher unglücklich sei, wenn in der Presse im Winter großformatige Bilder von Surfern oder Kitern gezeigt werden, ohne auf die Ruhezonen oder die Einschränkungen hinzuweisen. Er bat den Pressereferenten des Landkreises diesbezüglich Kontakt mit der Lokalpresse aufzunehmen; ebenfalls sollten die Ruhezonen und Nutzungsverbote in den Medien besser bekannt gemacht werden.

Im Bereich Stand-Up-Paddeln fehlen Organisationsstrukturen. Die Sportler bewegen sich meist dicht am Ufer und schrecken entsprechend viele Wasservögel auf. Zudem sind SUP-Fahrer oft nicht mit den Schifffahrtsregeln vertraut und nachts aufgrund fehlender Beleuchtung eine Gefahr für Andere.

Horst Guckelsberger (LBV) würdigte unseren verstorbenen Ehrenvorsitzenden Günter Bornemann, insbesondere dessen Verdienste im Hinblick auf die freiwillige Vereinbarung sowie das Verständnis, dass Segelsport und Naturschutz im Einklang stehen müssen. Was die Beschilderung an der Roseninsel betrifft, bat er darum, auch am Ufer auf die Verbotszonen hinzuweisen und fordert ein Flugverbot für Drohnen. Die Vertreterin der Schlösser- und Seenverwaltung verweist auf die neue „Inselordnung“ für die Roseninsel sowie das allgemeine Flugverbot für Drohnen über bayerischen Denkmalstätten.

Herr Gastl-Pischetsrieder von der Fischereigenossenschaft beklagte das aufgrund der hohen Wasserqualität und der damit verbundenen Nährstoffknappheit rückläufige Fischwachstum und den schrumpfenden Bestand. Seitens der Touristen und mancher Wassersportler gäbe es wenig oder kein Verständnis für die Belange der Berufsfischerei.

Der Vertreter der Gemeinde Feldafing regte an zu prüfen, ob Anfahrt, Parken und Nutzung der Seeufer besser geregelt werden könnten. Gerade an schönen Wochenenden sei ein Verkehrsinfarkt kaum zu vermeiden.

Die Wasserschutzpolizei berichtete, dass es im Jahr 2017 auf dem Starnberger See keine besonderen Vorkommnisse gab - mit Ausnahme eines tödlichen Tauchunfalls. Auch wurde auf die Begrenzung auf 65 dBA und die Höchstgeschwindigkeit von 40 km/h bei Motorbooten hingewiesen.

Die Sturmwarnkommission hatte festgestellt, dass die ausgelösten Warnungen am Starnberger See weitgehend zutreffend waren; Beschwerden über ein zu spätes Auslösen oder eine zu lange Dauer der Lichtsignale lagen nicht vor. (cn/TH)